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Problem Plastikmüll: Was passiert mit unserem Abfall?

Deutschland feiert sich als Recycling-Weltmeister. Bei uns wird brav jede Sorte Müll getrennt: Restmüll, Papiermüll, Gelber Sack und Biomüll. Wir lösen das Papier vom Joghurtbecher ab und werfen es in den jeweiligen Mülleimer. Große Supermarktketten und Drogeriemärkte geben inzwischen keine Plastiktüten mehr aus und verzichten Schritt für Schritt auf überflüssige Verpackung. Und trotzdem sind die Medien voll davon, dass wir ein Riesenproblem mit Müll haben. Plastik landet im Meer und in der Umwelt, 660 Tierarten sind durch den Müll vom Aussterben bedroht. Aber wie ist das möglich, wo wir doch eine so tolle Mülltrennung und ein Wiederaufbereitungssystem in Deutschland haben?

Die Fakten

Was wir umgangssprachlich als Plastik bezeichnen, ist eigentlich Kunststoff. Es wird Kunststoff genannt, weil es ein Stoff ist, der nicht in der Natur vorkommt, sondern künstlich hergestellt wird, nämlich aus dem begrenzten Rohstoff Erdöl. Es ist chemisch instabil, wodurch sich der Zustand der Stoffe bei Temperaturschwankungen verändert und das Plastik sich sehr langsam zersetzt. Es zerfällt dabei nicht einfach, sondern wird durch Reibung von außen immer mehr zerkleinert. Genau deshalb ist das Material auch kaum mehr aus unserem Alltag wegzudenken: es ist langlebig und vielfältig einsetzbar als Joghurtbecher, Autoreifen, Fischernetz, im Handy, Computer oder Spielzeug – die Liste könnte noch lange weitergehen. Allerdings braucht zum Beispiel eine normale Plastikflasche allein 450 Jahre bis sich sich zersetzt hat.

Plastikmüll – Problem und Lösung

Wo landet unser Plastikmüll?

Klar, er kommt kommt in den Gelben Sack. (Und das übrigens erst seit 1991, vorher wurden alle Kunststoffe über den Restmüll oder über Deponien entsorgt.) Aber was passiert danach mit deiner alten Zahnbürste und deiner Tofu-Verpackung?

Im Jahr 2017 fielen laut dem Umweltbundesamt (UBA) knapp 6,15 Millionen Tonnen Kunststoff- also Plastikmüll an. Davon wurden 99,4 % aller Kunststoffabfälle verwertet. Das heißt aber nicht, dass sie tatsächlich wiederverwertet wurden. Nur knapp die Hälfte (46,7 %) wurden werk- oder rohstofflich genutzt, also wiederverwendet. Die andere Hälfte wurde energetisch verwertet, also verbrannt, zum Teil in Mülldeponien oder als Ersatz für fossile Brennstoffe. Dabei ist das nicht nur weniger umweltfreundlich als Recycling, sondern erfordert auch einen höheren Energieaufwand.

Die Recyclingquote ist also insgesamt nicht sehr hoch. Das liegt in erster Linie daran, dass das Kunststoff zum Teil nicht wiederaufbereitet werden kann. Es gibt eine große Fülle an unterschiedlichen Kunststoffen und viele Kunststoffe liegen nicht sortenrein vor, da sie entweder untereinander gemischt werden oder ihnen Stoffe zugefügt werden. Es können aber nur sortenreine Kunststoffe einwandfrei wiederverwertet werden.

Deutschland exportiert außerdem jährlich bis zu eine Million Tonnen Plastikabfall, z.B. nach  Malaysia, Indien und Indonesien. Das Absurde daran ist: Der Müll gilt dann in Deutschland als recycelt, obwohl ein ordnungsgemäßer Wiederverwertungsprozess in den Zielländern häufig gar nicht sichergestellt werden kann. Was uns als recycelt verkauft wird, liegt in Wahrheit womöglich auf illegalen Mülldeponien im Regenwald oder wird ins Meer geschwemmt.

Müll richtig trennen

Ein Problem bei der Entsorgung ist, dass den meisten Menschen nicht klar ist, was in welche Tonne gehört. Du denkst vielleicht in den Gelben Sack gehört alles, was aus Plastik ist? Stimmt nicht! Laut dem „Grünen Punkt“ gehören in die Gelbe Tonne bzw. den Gelben Sack Leichtverpackungen, also Verpackungen aus Metallen wie Aluminium und Weißblech, Verbundstoffe wie Getränkekartons und  Verpackungen aus Kunststoff. Deine alte Zahnbürste zum Beispiel gehört also nicht hinein. Nur wenn richtig getrennt wird, kann der Recyclingprozess gut funktionieren. Der Grüne Punkt hat selbst eine übersichtliche „Trennhilfe“ zu Verfügung gestellt, die du dir ganz einfach herunterladen kannst. Jetzt kann eigentlich nichts mehr schief gehen! Nur, warum gibt es überhaupt solche Unmengen an Verpackungsmüll?

Plastik – Problemlösung durch Recycling

Warum es so viel Plastikmüll gibt

Der Markt für Verpackungsmaterialien ist ein gigantischer Wirtschaftszweig. Laut dem Gesamtverband Kunststoffverarbeitender Industrie (GKV) fallen 63,7 Milliarden Euro Umsatz in Deutschland durch die Kunststoffbranche an. Denn neben der Verwendung von Kunststoff für die Produkte selbst, wie beim Bau von Flugzeugen oder Autos, sind besonders die Produktverpackungen entscheidend für die hohe Produktion. Denn Plastik ist, wie bereits erwähnt, zum einen sehr flexibel und zum anderen stabil und langlebig. Zudem ist es im Vergleich zu anderen Verpackungsmaterialien deutlich leichter, sodass zum Beispiel weniger Kerosin bzw. Kraftstoff beim Transport der Waren benötigt wird.

Die Lösung: Plastikmüll vermeiden

Wie du gesehen hast, ist der Recyclingprozess in Deutschland schon weitaus besser, als noch vor 1991, allerdings gibt es eben auch einige Kritikpunkte, die ein direktes und einfaches Wiederverwenden verhindern. Außerdem wird einfach noch zu viel Plastik verbrannt. Die einfachste Lösung ist also nach wie vor, mehr und mehr auf das Material zu verzichten. Aber das reicht leider noch nicht. Wir brauchen auch auf politischer und wirtschaftlicher Ebene einen Wandel. Wie da der Stand ist, wollen wir dir in Kürze ebenfalls in einem neuen Post erzählen. Also stay tuned!

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